Qualitätswettbewerb: Anreize statt Abschreckung – 3. Nationaler Qualitätskongresses Gesundheit

3. Nationaler Qualitätskongresses Gesundheit
Qualitätswettbewerb: Anreize statt Abschreckung

Beatrice Hamberger

Im Rahmen des “3. Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit” erhielt der Mathematiker Prof. Dr. Hans Konrad Selbmann am 26. November in Berlin den mit 10.000 Euro dotierten “Deutschen Qualitätspreis Gesundheit 2009”. Mit der Auszeichnung würdigt Gesundheitsstadt Berlin Selbmanns vorbildliches Engagement auf dem Gebiet der Qualitätssicherung und Patientensicherheit in der Gesundheitsversorgung. Selbmann sei der “Wegbereiter für die Qualitätssicherung in der Medizin in Deutschland”, betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums Daniel Bahr (FDP) in seiner Laudatio.

In Deutschland enden pro Jahr – auf Grund von vermeidbaren Fehlern – rund 17.000 Krankenhausbehandlungen tödlich. Bis zu 180.000 nosokomiale Infektionen wären nach Angaben der Hygieneexpertin Prof. Petra Gastmeier vermeidbar, wenn selbstverständliche Hygienemaßnahmen eingehalten würden.

“Der Handlungsbedarf ist enorm und er wird mit der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen Zunahme chronisch kranker und multimorbider Patienten weiter wachsen”, erklärte Kongresspräsident Ulf Fink auf dem 3. Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit im November 2009 in Berlin. Daher müsse ein wirksamer Ordnungsrahmen für einen Qualitätswettbewerb geschaffen werden.

“In Deutschland gibt es weder einen echten Qualitätswettbewerb noch eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sektoren”, monierte Prof.
Matthias Schrappe, Leiter des Instituts für Patientensicherheit an der  Universität Bonn. “Informationsbrüche zwischen den Sektoren führen aber zu erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen.”

Noch gibt es keine Indikatoren, die die Qualität der ambulanten und stationären
Versorgung zugleich messen können. Diese Aufgabe hat jetzt der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) übernommen und für die Entwicklung sektorenübergreifender Qualitätsindikatoren das Heidelberger AQUA-Institut beauftragt. AQUA wird ein Methodenpapier vorlegen, das neben der Behandlung chronisch kranker und multimorbider älterer Patienten in die Betrachtung einbezieht.

“Die Parameter müssen längere und komplexere Versorgungsprozesse sektorenübergreifend abbilden”, sagte Prof. Joachim Szecsenyi, Geschäftsführer
des AQUA-Instituts. Pay-for-Performance als Schrittmacher für mehr  Qualitätswettbewerb Strukturveränderungen können nur erfolgreich sein, wenn die Beteiligten von ihrem Nutzen überzeugt sind. Aus diesem Grund sollten Anreizsysteme wie etwa mehr Geld für bessere Leistung (Pay-for-Performance) geschaffen werden, meinten die Experten in Berlin.

“Wichtig ist uns die Motivation und nicht die Abschreckung der Ärzte, sagte
der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Die KVB hatte mit  Qualitätsprüfungen und qualitätsabhängiger Leistungsvergütung für Aufsehen gesorgt.

Von 1.000 Einrichtungen, die in Bayern Endoskopien durchführten, seien heute
noch ganze 450 auf diesem Gebiet tätig. “Jeder hatte die Chance, die Prüfung zu bestehen”, erklärte Munte. “Das ist echter Qualitätswettbewerb.”
Auf dem 3. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit trafen sich am 26. und
27. November 2009 in Berlin rund 400 Entscheider aus Medizin, Wissenschaft,
Krankenhausmanagement, Politik und Kostenträgern, um Weichen für die Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung zu stellen.

www.qualitaetskongress-gesundheit.de