BM-2010-1-Editorial

Das neue Kliniksuchportal und der Berliner Praxisvergleich
Transparenz schafft Orientierung

Franz Dormann, Berlin

Nach dem Berliner Klinikvergleich haben Gesundheitsstadt Berlin und der Tagesspiegel in den vergangenen Monaten weitere Meilensteine auf dem Weg zu einer umfassenden Transparenz in der Gesundheitsversorgung erreicht: Der erste Berliner Praxisvergleich ist erschienen und das Kliniksuchportal www.gesundheitsberater-berlin.de ist online.

Der Berliner Klinikvergleich, der erstmals 2006 erarbeitet wurde, war ein Novum:
Einen solchen Qualitätsvergleich der stationären Medizin, der es Patienten ermöglicht, auf der Basis von zehntausenden Behandlungen die passende Klinik zu finden, hat es bislang nicht gegeben. Zunächst als Zeitungsserie, später auch als Buch veröffentlicht, wurde der Klinikführer inzwischen mehrmals aktualisiert. Er umfasst eine Auswertung der auf gesetzlicher Grundlage erhobenen Daten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) und eine Befragung von 4.439 niedergelassenen Ärzten zu ihren Klinikempfehlungen im Jahre 2009.

Die Beteiligungsquote der durch das IGESInstitut befragten Ärzte stieg von 31 Prozent im Jahre 2007 über 35 Prozent im Jahre 2008 auf 37 Prozent im letzten Jahr an. Der Berliner Klinikvergleich hat sich etabliert! Nun ist der Klinkführer unter www.gesundheitsberater-berlin.de online und bietet Patienten und Profis neue Möglichkeiten zur Recherche. So kann der Nutzer zum Beispiel schnell und zielgenau das passende Krankenhaus zu einer stationären Behandlung bzw. zu einer Krankheit finden oder eine bestimmte Klinik mit anderen Krankenhäusern vergleichen. Für Ärzte steht mit dem “Erweiterten Katalog” ein Suchpfad zur Verfügung, in dem sie gezielt nach Diagnosen, Therapien und Untersuchungsmethoden suchen können. Und schließlich finden sich alle relevanten Kontaktdaten zu den Kliniken, ihren Chefärzten und ihren Abteilungen.

Wer sucht, wird auf dem Kliniksuchportal fündig Die Datenbank von gesundheitsberater-berlin.de basiert auf den Daten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS). Die Krankenhäuser sind verpflichtet, an diesem bundesweiten System der externen Qualitätssicherung mitzuwirken und liefern die geforderten Therapiedaten. Hierzu zählen Angaben zu Therapieschwerpunkten einer Klinik, zu den jeweiligen Fallzahlen in den Indikationen und qualitätsrelevante Informationen je Krankheitsbild. Aus den über 200 Qualitätsindikatoren haben wir je Behandlungsart drei bis vier aussagekräftige und verständliche Indikatoren ausgesucht, wie z.B. die Komplikationen nach Operationen oder Sterblichkeit.

Über diese BQS-Daten hinaus enthält das onlineportal Zusatzinformationen, die zum Teil auf der umfangreichen Ärztebefragung zu empfehlenswerten Krankenhäusern basieren und durch ausführliche redaktionelle Erläuterungen für 49  Krankheitsbilder ergänzt werden. Gerade die Empfehlungen der Ärzte stellen für viele Patienten eine wichtige Entscheidungshilfe dar.

Mit dem Gesundheitsportal möchte Gesundheitsstadt Berlin und Der Tagesspiegel Patienten und Angehörigen bei der Suche nach einem geeigneten Krankenhaus eine Orientierung geben. Das Gespräch mit dem behandelnden Arzt können und wollen wir nicht ersetzen.

Berliner Praxisvergleich durchleuchtet die ambulante Spezialmedizin Als erste Stadt in Deutschland verfügt Berlin mit dem Praxisvergleich, der Ende 2009 im Tagesspiegel publiziert wurde, über einen Qualitätsvergleich aus dem Bereich der ambulanten Medizin – und damit über eine hervorragende Möglichkeit, Patienten bei der Suche nach einem Arzt zu unterstützen.

Der Berliner Praxisvergleich macht Daten von 160 Berliner  Spezialbehandlungszentren zugänglich, die eine der acht folgenden ambulanten Leistungen anbieten: ambulante Augenoperationen, Chemotherapien,  Darmspiegelungen, Herzkatheteruntersuchungen, Röntgen- und  Ultraschalluntersuchungen, Schmerztherapie, die Behandlung von HIV-Infektionen und Diabetes. Neben Angaben zu Behandlungszahlen, Ausstattungsmerkmalen und Service bietet der Führer Praxisempfehlungen von rund 1.500 niedergelassenen Berliner Ärzten.

Dass erstmals umfangreiche Qualitätsdaten für den ambulanten Bereich vorliegen, zeigt den Mut der Berliner Mediziner zur Transparenz. Für die Praxen gibt es nämlich im Unterschied zu den Krankenhäusern keine offiziellen Qualitätsdaten.

Umso beachtlicher ist es, dass mit Berufsverbänden und Qualitätssicherungskommissionen für jede der betrachteten acht medizinischen Leistungen Qualitätsparameter ausgewählt werden konnten und die Mediziner ihre Daten auf freiwilliger Basis zur Verfügung stellten.

Die Publikation ist auch ein Einstieg in die Darstellung der Qualität über die Grenzen der als “Sektoren” bezeichneten Bereiche des Gesundheitswesens. Gerade die Schnittstellen zwischen Klinik, niedergelassenem Arzt oder Pflegeheim sind oft kritische Punkte in einer Behandlungskette.

Diese “Hürden” zu überwinden und die medizinische Versorgung in der Hauptstadt zu verbessern, ist ein zentrales Anliegen von Gesundheitsstadt Berlin. Mit der fortlaufenden Veröffentlichung von Qualitätsdaten wollen wir diesem Ziel Rechnung tragen.

Korrespondenzadresse:
Dr. Franz Dormann
Gesundheitsstadt Berlin e.V.
Französische Straße 23
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Dormann(at)gesundheitsstadt-berlin.de