BM-2012-1-Ruppenthal

“Beruflich unterwegs” – Mobilität und die Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden

Silvia Ruppenthal, Wiesbaden

Vielfalt und Verbreitung von Mobilität Das derzeitige Mobilitätsgeschehen zeichnet sich durch große Vielfalt und hohe Dynamik aus. So haben Mobilitätsanforderungen innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte zugenommen und richten sich vermehrt an Beschäftigte aller Hierarchieebenen und unterschiedlichste Berufsgruppen.

Die Ursachen hierfür sind in sich wandelnden Arbeitsmarktbedingungen, neuen Kommunikationstechnologien und Infrastrukturen zu sehen, aber auch im familialen Wandel und den sich verändernden Geschlechterrollen. Die Vielfalt berufsbedingter räumlicher Mobilität zeigt sich in deren Ausmaß und Formen. Residenzielle Mobilität im hier verwendeten Sinne umfasst Umzüge über längere Distanzen. Dies schließt Auslandsentsendungen und Migration ebenso ein, wie Umzüge innerhalb eines Landes. Ein Umzug kann dabei einmal oder mehrmals erfolgen, die extremste Ausprägung sind lebenslange Umzugsbiografien. Zirkuläre Mobilität meint Formen des Pendelns über weite Distanzen bzw. längere Zeiträume hinweg. Ausprägungen sind hier Fern- und Wochenendpendeln, Dienstreisen oder auch projektbezogene längere Aufenthalte.  Nimmt man dieses Formen in den Blick, zeigt sich, dass Beschäftigte häufig hochmobil sind. Jeder fünfte Erwerbstätige im Alter von 25 bis 54 Jahren ist derzeit in mindestens einer der genannten Formen mobil, nahezu jeder zweite Erwerbstätige hat bereits Mobilitätserfahrungen gemacht [1].

Dabei unterscheiden sich unterschiedliche Beschäftigtengruppen erheblich. So sind jüngere Personen mobiler als ältere. Männer sind mobiler als Frauen und  Alleinstehende mobiler als Menschen mit Familie. Konsequenzen von Mobilität Mobilität ist ein ambivalentes Phänomen. Auf der einen Seite wird ihr individuell und auch gesellschaftlich Positives  zugeschrieben.

Mobilität ist etwa Abenteuer, Aufbruch zu Neuem und ist Zeichen für Erfolg und Karriere. Sie verbindet und ist Instrument zum Ausgleich von  Arbeitsmarktdisparitäten. Dem stehen mit Mobilität verbundener Stress, Zeitknappheit und Belastungen gegenüber, wie sie etwa während eines Umzuges oder auf Reisen auftreten können. Wer viel unterwegs ist, ist zudem mutmaßlich schlechter vor Ort integriert und kann sich zivilgesellschaftlich wenig engagieren.

Vor dem Hintergrund gestiegener Mobilitätsanforderungen und der bestehenden Ambivalenzen stellt sich somit die Frage nach den Folgen von Mobilität für den Einzelnen, sein Privat- und Berufsleben, ebenso wie nach den gesellschaftlichen Konsequenzen erhöhter Mobilitätserfordernisse.

Im Rahmen des Vortrages werden dabei insbesondere die Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden in den Blick genommen. So zeigen Studien etwa, dass Mobilität  negative Auswirkungen für Beschäftigte haben kann und auch für deren Partner und Kinder erhöhte Belastungen auftreten können [2].

Ferner sollen Befunde zu den Faktoren präsentiert werden, die das Belastungserleben moderieren, also zu einer Verbesserung oder aber auch zu einer Verschlechterung der Situation des Beschäftigten beitragen können.

Individuelle Kompetenzen und betriebliche Rahmenbedingungen Wie Beschäftigte  Mobilitätsanforderungen bewältigen und welches Belastungserleben sie damit verbinden, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die familiale Situation, die Form der Mobilität, vergangene Mobilitätserfahrungen, erworbene Kompetenzen oder etwa persönliche Eigenschaften spielen auf individueller Ebene eine Rolle. Auf betrieblicher Ebene sind die gegebenen Rahmenbedingungen von großer Bedeutung. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf, auf Basis der vorliegenden Befunde können jedoch einige Hinweise zur Gestaltung von Mobilität gegeben werden.

Korrespondenzadresse:
Dipl.-Soz. Silvia Ruppenthal
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Friedrich-Ebert-Allee 4
D-65180 Wiesbaden
silvia.ruppenthal(at)destatis.de

Literatur

1. Ruppenthal, Silvia; Lück, Detlev (2009): Jeder fünfte Erwerbstätige ist aus beruflichen Gründen mobil. Berufsbedingte räumliche Mobilität im Vergleich. In: ISI Informationsdienst Soziale Indikatoren, 42, 7, S. 1-5.

2. Ruppenthal, Silvia; Rüger, Heiko (2011): Berufsbedingte räumliche Mobilität – Konsequenzen für Wohlbefinden und Gesundheit. In: Zukunft der Arbeit. BKK Gesundheitsreport 2011, abrufbar unter http://www.bkk.de, S. 120-125